Mein Europa und ich: Ein Abend mit Bernd Lange

 
Foto: European Union
 

Rückblick auf den Großen Europaabend der SPD Ricklingen mit unserem Abgeordneten im Europäischen Parlament, Bernd Lange.

 

Am Abend des 18. Oktober füllte sich der Veranstaltungsraum der Vereinsgaststätte Anno 1901 nur zögerlich – zu viele Parallelveranstaltungen waren bei dem langen Planungsvorlauf nicht zu vermeiden.  Aber dann fanden sich doch einige Leute ein, deren Interesse an der Europapolitik sehr schnell deutlich wurde. Anlass der Veranstaltung  war der bald beginnende Wahlkampf zur Europawahl am 26. Mai nächsten Jahres sowie das Angebot unseres Europaabgeordneten Bernd Lange, unseren Ricklinger Ortsverein an diesem Abend zu besuchen. Bernd Lange ist ein erfahrener Profi in der Europapolitik und Vorsitzender des mächtigen Handelsausschusses in Brüssel. Kürzlich wurde er vom Europaparteitag des SPD-Unterbezirks Region Hannover wieder einstimmig als unser Kandidat nominiert. Es ist gar nicht so leicht, ihn für einen ganzen Abend zu bekommen, bedenkt man die Größe seines Wahlkreises. Umso unverständlicher, dass so viele MitgliederInnen unseres OV`s sich diese Gelegenheit haben entgehen lassen.

Langes  enorme Fachkenntnis wurde auch schnell deutlich, es gab kein politisches Themenfeld, zu dem er nicht dezidiert Auskunft geben konnte. Der Moderator hatte ein Gebinde von Themen aufgearbeitet und zusammengefasst, um den Abend dialogisch zu gestalten, weg vom üblichen Frontalvortrag  mit drei Nachfragen. Das hat sich von Beginn an bewährt, sogleich entwickelte sich eine intensive Diskussion, in die hinein Bernd Lange seine Informationen einbringen konnte.

Entgegen der Vermutung, die unmittelbaren Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens würden im Vordergrund des Interesses stehen, zeigte sich wieder, dass es die eher großräumigen Fragestellungen sind, die die Menschen bewegen: Wie z. B. die mangelnde Solidarität der östlichen Mitgliedsstaaten in der Flüchtlingsfrage, die nationalistischen Alleingänge á la Ungarn oder der unsägliche Brexit. Auch Umweltfragen, Jugendförderung, Tierschutz und Landwirtschaft wurden angesprochen. Es wurde sichtbar, wie umfangreich unser gesellschaftliches Leben inzwischen mit der Politik der EU verflochten ist. Und das ist gut so, vor allem wenn man den Bereich der Daseinsvorsorge oder der sozialen Absicherung der Menschen in Europa sieht, was die großen Themen der Arbeit der sozialdemokratisch-sozialistischen Fraktion im Europaparlament sind. Wie ein roter Faden zog sich die Tatsache durch die Diskussion, dass die Grünen derzeit bei Landtagswahlen unsere SPD überholen, unsere Partei hingegen in der Wählergunst abstürzt. Der Moderator war der Meinung, dass die Grünen es inzwischen schaffen, unbelastet von Regierungsarbeit Tradition und Moderne zusammen zu bringen. Bernd Lange konterte, dass die Grünen dabei die schwierige und teure Frage nach der sozialen Gerechtigkeit ausblenden würden, was hingegen das Kernthema zumindest der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament sei. Das ist dann wohl ein gutes Argument für den Wahlkampf.

Auf lebhaftes Interesse traf auch die Frage, was die EU speziell für unser Niedersachsen tut. Zu diesem Thema hat unser Europabüro gerade eine umfangreiche Broschüre veröffentlicht. Schließlich kommt kein Europaabend an der Frage vorbei, wie Europa mit Flüchtlingen und der beginnenden Völkerwanderung aus westafrikanischen Ländern umgeht. Ist ein modernes Einwanderungsgesetz nach Kanadischem Vorbild die Lösung? Bernd Lange hält das für möglich, sieht aber auch die Notwendigkeit, dass die Länder der EU noch weiter zusammenwachsen zu den Vereinigten Staaten von Europa, mit einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Doch das ist offenbar eine Generationenaufgabe.

Schließlich wurde die für den Abend angestrebte Dauer gut überzogen, was als Folge des lebhaften Interesses und der Diskussionsfreudigkeit gewertet werden kann. Das Ziel, Lust auf und Interesse an der kommenden Europawahl zu wecken, scheint erreicht zu sein. Dank an Bernd Lange und seine Geduld.

Für den SPD-OV Ricklingen
Martin Walther